Workstation für Fotografen – MacPro 5,1

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Das Thema Workstation für die Bild- und Videobearbeitung ist nicht so ganz einfach. Das “neue” Konzept von Apple, so garnichts mehr durch den User auswechseln zu können, finde ich vorsichtig gesagt, eher suboptimal. Wenn gleich ich das in einem Notebook vielleicht noch irgendwo nachvollziehen kann, so kann ich das in einer Workstation nun in keinster Weise verstehen. Aber auch in einem Notebook ziehe ich immer noch das 2012 MacBookPro non Retina den anderen Modellen vor. Bei diesen Modellen kann man auch selbständig den Akku wechseln. Und ein Akku ist in einem Notebook ein Verschleißteil, insofern kommt da früher oder später ein Austausch. Klar macht Apple das auch, aber zu entsprechenden Preisen.

Aber es geht um eine Workstation. Der aktuelle MacPro, der Mülleimer, die Tonne oder wie auch immer man ihn bezeichnet, ist extrem uninteressant für einen stationären Arbeitsplatz. Für Kollegen die unterwegs sind und den Mac Pro auch on Location nutzen wollen, da mag das System ja durchaus angebracht sein, aber auf einem Schreibtisch? Da müssen dann auch noch weitere HDD/SSD dran die jeweils/oft eigene Netzteile haben. Kabel ohne ende auf dem Schreibtisch. Jetzt soll das ganze natürlich auch ausreichend schnell laufen, insofern ist dann wieder die Frage wie bindet man die HDD/SSD an. Per USB, LAN oder doch lieber Thunderbolt? Wie siehts mit der Geschwindigkeit aus? Da muss dann schon ein gescheites Netzwerk aufgebaut werden wenn das ganze z.B. über LAN laufen soll. So oder so fallen extra Kosten für diese Geräte an.

Aus diesen Gründen ist ein iMac oder ein aktueller MacPro für jemand der viele Daten hat und viele HDD´s benötigt nicht so geeignet oder für mich gesprochen. Ich hätte gerne ein Workstation die nicht nur schnell ist, sondern wo man auch möglichst viel Speicherplatz unterbringen kann. Da Windows keine Option ist, bleibt als alternative ein älterer MacPro. Die Generation 5,1 von 2010/2012. Jetzt hat die natürlich ein paar Nachteile. Rechenpower bekommt man heute natürlich mehr, der “alte” MacPro hat kein SATA III, kein USB 3.0, kein Thunderbolt. Alles ist lösbar, bis auf Thunderbolt. Das ist nicht nutzbar, insofern fällt das entsprechende Apple Thunderbolt Display weg. Denke damit kann man Leben, denn von anderen Herstellern gibt es ebenso gute Displays und da man eine Vielzahl von Grafikkarten verwenden kann, sind auch 4K Displays kein Thema.

Insofern steht dem nichts im Wege auch im Jahr 2015 mit einem MacPro aus 2010/2012 nach einem kleinen Upgrade zu arbeiten, sodass das System dann auch USB 3.0 und SATA III hat. So war schon vor längerer Zeit der Plan geboren ein MacPro 5,1 aufzubauen. Jetzt kann man natürlich einwerfen soviel Geld in ein solches “altes” System zu investieren ist quatsch. Aber wer kein Windows will und eine solche Workstation in der die HDD eingebaut werden kann, dem bleibt nur dieser Weg.

Irgendwann lief mir dann ein entsprechender MacPro 5,1 über den Weg und dann heißt es zuschlagen. Es gibt schon das eine oder andere Gerät, aber einen zu finden welcher wie neu aus dem Laden aussieht, keine Kratzer hat und an dem nicht rum geschraubt wurde, ist dann doch nicht so einfach zu finden. Ein Familienvater der sein Spielzeug los werden wollte, das war genau der richtige. Der Gute hatte auf dem System bisher nur irgendwelche Flugsimulatoren gespielt und sogar seinerzeit eine extrem teure original Apple SSD einbauen lassen. Das ideale Gerät.

Und schon in dieser “Grundausstattung” ist das ein tolles Gerät und es macht Spaß damit zu arbeiten. Aber wir wollen ja ein wenig mehr Leistung heraus kitzeln aus der Maschine und so gehts ans Aufrüsten.

Prozessor

Der MacPro 5,1 hat ein Single-CPU-Board und verträgt somit max. eine Intel Xeon X5690 Six-Core 3.46 GHz CPU. Der Vorteil bei der Verwendung dieser CPU ist, sollte man das Board irgendwann auf ein Dual-CPU-Board upgraden wollen, so kann man die gleiche CPU dazu erwerben. Ansonsten ist der Intel Xeon W3690 Six-Core 3.46 GHz der richtige, bzw. der größtmögliche. Der Einbau läuft Problemlos. Kühlkörper abschrauben, Prozessor tauschen, Kühlkörper wieder drauf. Vorher noch die Wärmeleitpaste sorgfältig mit Isopropanol oder entsprechendem entfernen und neue Wärmeleitpaste auftragen, fertig.

RAM

Beim Single-CPU-Board gibt es vier Slots und beim Dual-CPU-Board acht Slots. Mit den oben genannten Prozessoren verträgt der MacPro 5,1 dann Speicherbausteine mit 1333Mhz. Der Unterschied ist jetzt nicht merklich spürbar zu den 1066Mhz. Aber wenn neue RAM-Bausteine benötigt werden, machen dann die schnelleren natürlich Sinn. In meinem werkeln 3x8GB 1066Mhz DDR Bausteine. Diese laufen im Triple Channel Mode. Soll soviel heißen das drei Bausteine im Triple Channel Mode effektiver sind, als 4 Bausteine jeweils im Dual Channel Mode. Glaube aber das ist wieder nur was messbares und in der Praxis nicht wirklich relevant. Da meine 24GB ausreichend sind, lohnt hier kein weiteres Investment.

Grafikkarte

Da wird das ganze schon spannender und da kann man sich auch in Fakten und Messwerte verlieren. Ich hab mich hier für eine AMD Radeon R9 280 3GB in der Macversion entschieden. Es geht genauso auch die PC-Version. Einzigster Nachteil ist dann, dass man kein Boot Menü hat und das Display erst ein Bild anzeigt, nachdem der Treiber von OSX geladen wurden. Sprich man hat kein BootMenü, kein Apple Hardwaretest und Internet-Recovery. Das geht nur mit den Macversionen. Es gibt auch Karten die kann man speziell dann auf die Mac-Version flashen. So oder so, eine solche Karte mit dem entsprechenden Mac-Efi sollte man für entsprechende Fälle haben.

SATA III – SSD

SSD Festplatten sind aus heutigen Rechnern nicht mehr weg zu denken und wer noch keine in seinem Rechner hat, der sollte schnellstmöglichst sich mit dem Thema beschäftigen und dieses Investment tätigen. Man hat das Gefühl einen völlig neuen Rechner zu haben. Insofern stand für mich auch fest; in das Ding muss eine SSD rein und zwar als Arbeitplatte für die aktuellen, laufenden Projekte. Grundsätzlich bietet der MacPro 5,1 nur SATA II und damit beschneide ich mich natürlich deutlich an Leistung. Aber mittels einer FASTA 6GU3 Pro PCIe-Karte bekommt das System zwei interne SATA III Anschlüsse, zwei externe USB 3.0 und zwei externe eSATA Anschlüsse. An dem einen internen SATA III Anschluss hängt nun eine Samsung 850 EVO 250GB SSD und an dem anderen SATA III Port eine 1,5 TB, 2,5″ HDD. Sowohl die SSD, als auch die HDD habe ich unterhalb des CD/DVD Laufwerkes verbaut.

Samsung SM951 M.2

In den neuen MacPro, also ab 2013 stecken keine herkömmlichen 2,5″ SSD´s sondern Blade SSD´s. Die sehen eher aus wie ein RAM-Speicherbausteine und sind rund doppelt so schnell als herkömmliche SSD´s. Somit eignen sie sich ideal für das System und die Programme. Auch das ist einem “alten” MacPro möglich. So habe ich eine Samsung SM951 256GB M.2 auf einer DELOCK PCIe x4 > 1 x M.2 NGFF verbaut und komme damit auf Schreib- Leseraten jenseits der 1.000 MB/s. Wobei ich dazu sagen muss, das man jetzt nicht wirklich beim System, in der Praxis, bei der Arbeit mit dem OS ein Unterschied merkt ob man mit einer “normalen” SSD die über SATA III angebunden ist arbeitet oder mit der Blade SSD. Trotz der doppelten Schreib- Lesegeschwindigkeit.

 

USB 3.0

Mit der FASTA 6GU3 Pro PCIe-Karte hat der MacPro zwar schon zwei USB 3.0 Anschlüsse. Aber die sind natürlich schnell in Benutzung und somit habe ich dem System noch eine Inateck KT4004 PCIe Karte spendiert. Diese bietet weitere vier externe USB 3.0 Ports.

Nachteile

Hat so ein System auch Nachteile? Diese Frage muss man mit JA und NEIN beantworten. Grundsätzlich verbraucht so ein System, gerade im Vergleich zu aktuellen Modellen mehr Strom. Während der aktuelle 5K iMac oder der MacPro ab 2013 rund 100Watt im Ruhezustand verbrauchen, liegt der MacPro 5,1 mit Vollausstattung, also alle Kartensteckplätze belegt, vier 3,5″ HDD´s in den jeweiligen Bay sowie zusätzlich noch eine weitere 2,5″ SSD sowie eine 2,5″ HDD und ATI HD5770 1024MB bei rund 140Watt. Zwar deutlich über den aktuellen Systemen, aber das ganze relativiert sich wieder, wenn man die zusätzlichen HDD in externe Geräte mit eigenen Netzteilen verbaut.

So richtig spannend wird es aber erst, wenn man in das System eine andere Grafikkarte einbaut. Denn die sind zum Teil extrem Stromhungrig. Die AMD Radeon R9 280 3GB zieht sich mal eben satte 100Watt beim nichts tun. Allerdings auch unter Volllast nicht mehr. Da gibt es durchaus Karten die dann nochmal richtig am Strom ziehen. Das heißt beim nichts tun, kommt das System so wie es aktuell konfiguriert ist dann auf ca. 240 Watt. Und das ist natürlich nicht wenig.

Ein weiterer Nachteil, wenn man das so bezeichnen kann, ist der fehlende und nicht nachzurüstende Thunderbolt-Anschluß.

Deswegen JA und NEIN, denn die Nachteile sind für mich jetzt keine Nachteile. Auf den Thunderbolt-Anschluß kann ich verzichten und wem eine ATI HD5770 1024MB reicht, hat auch nicht wirklich einen erhöhten Stromverbrauch.

Leistung

Schauen wir uns zunächst einmal die nüchternen die Zahlen an. Geekbench vermeldet einen Single-Core Score von 2882. Im Vergleich dazu, der 2013er MacPro (die neue Bauform) liegt mit dem 12 Core Prozessor bei 3131 Punkten, die 4, 6 oder 8 Core Prozessoren zwischen 3500 – 3600 Punkten. Das sind rund 400 Punkte unterschied. In der Praxis ist das wohl eher nicht so relevant, denn sonst würde Apple seinen Kunden kein 12 Core 2013 MacPro, das Spitzenmodell mit einem 3100er Scrore verkaufen können.

Spannender wird es beim Multi-Core. Da liegt mein System bei 16.390 Punkten. Auch hier wieder der Vergleich zum 2013er MacPro. Der 4 Core kommt auf 16325, der 6 Core auf 20685, der 8 Core auf 25532 und der 12 Core auf 32116 Punkte.

Also rein von den Zahlen ist das System vergleichbar mit dem aktuellen Quad-Core 2013er MacPro.

Kosten

Für einen 5,1 MacPro Single Core muss man Mitte 2015 ca. 850€ ausgeben. Wenn man Glück hat ist da auch schon genug RAM verbaut, sodass hier kein weiteres Investment nötig ist. Die Intel Xeon X5690 Six-Core 3.46 GHz CPU ist bei Amazon für über 1.500€ gelistet. Wer ein bischen schaut bekommt die CPU bei verschiedenen Händlern für rund 600€ oder kauft eine gebrauchte vom Händler mit Garantie für rund 300€, so wie ich. Für die 256GB Blade SSD mit Karte werden 260€ fällig. Hier kann man natürlich auch eine Karte verwenden auf die direkt eine 2,5″ SSD montiert wird, z.B. Sonnet TSATA6-SSD-E2. Die liegt so bei 180€ zzgl. SSD. Die SATA III Karte, die FASTA 6GU3 Pro kostet ebenfalls 180€ mit zwei internen SATA III Anschlüssen und zwei externen USB 3.0 Ports, sowie zwei externe eSATA Ports. Wem die nicht reichen, steckt für nochmal 30€ eine Inateck KT4004-Karte ins System und hat weitere vier externe USB 3.0 Ports. Die AMD Radeon R9 280 3GB Grafikkarte in der Macversion habe ich für 300€ bekommen. Hier kann man natürlich je nach belieben auch in Karten bis deutlich über 1.000€ investieren. Oder aber z.B. eine Radeon R9 280 in der PC-Version kaufen und zahlt dann nur ca. 180€ (Stichwort: Bootmnü).

Probleme

Ja die gab es auch. Nachdem alles zusammen gebaut war und der MacPro an seinem Platz stand, hat plötzlich die Magic Maus und das Keyboard seinen Dienst verweigert. Mit diesem Problem war oder besser gesagt bin ich nicht der erste und so lies sich schnell eine Lösung finden. Die Position des Bluetooth-Modul auf den Board ist nicht gut gewählt und wird sehr stark abgeschirmt und somit die Reichweite extrem verkürzt. Aber Apple hat das Modul als USB-Modul auf dem Board mit einem Stecker verbaut. Stecker rausziehen bewirkt das gleiche, als wenn man ein Bluetooth USB-Stick vom System trennt. Das ist schnell gemacht und an ein USB 2.0 Port habe ich dann eine USB-Verlängerung bis zu meinem Monitor gehängt und daran dann ein Bluetooth-USB-Modul. Das ganze wird von OSX sofort erkannt und arbeitet Prima. Aufgrund der kurzen Reichweite schont das auch den Akku-Verbrauch.

Einzigster Nachteil ist jetzt, dass das Bluetooth-USB-Modul erst mit OSX geladen wird und somit erst weit nach dem Gong-Ton. Ich komme so nicht ins Boot-Menü. Aber dafür habe ich noch eine alte USB-Maus und eine USB-Tastatur die ich dann bei Bedarf anschließe.

Fazit

Der MacPro 5,1 gehört noch lange nicht zum alten Eisen oder zum Elektroschrott. Für aktuell unter 2.000€ bekommt man ein Rechner der sich den Vergleich mit aktuelleren Modellen nicht scheuen muss und bietet den Vorteil das man ordentlich Festplattenpeicher in die Maschine bekommt. Meines Wissens gibt es da auch kein Limit bei der max. Kapazität. Das System mit dem Xeon X5690 Six-Core 3.46 GHz Prozessor ist vergleichbar mit dem aktuellen MacPro Quad-Core für das Apple derzeit 3.399€ verlangt.

Und du?

Wie ist deine Meinung? Schreib in die Kommentare deine Meinung. Würdest du heute noch in ein MacPro 5,1 investieren?

7 Responses

  1. Max

    Danke für den ausführlichen Artikel, läuft da auch das aktuelle Davinci Resolve drauf? 🙂 Danke!

  2. Thomas

    bin deiner Meinung, ist ein tolles System, ich hab einen 5.1er mit 32GB Ram (4x8GB), x5650, ATI 5870 und SM951 SSD, läuft alles super schnell und das neue macOS Sierra läuft auch problemlos 🙂

  3. Rafael

    Hallo, finde den Artikel super. allerdings finde ich es etwas Problematisch mit der MZHPV256HDGL (Festplatte) denn laut beschreibung von Amazon, läuft diese nicht mit den Apple Produkten. Ist das auch der richtige Link? wollte mir die gerade bestellen, und jetzt bin ich verunsichert 😀

    Gruß Rafael

    • Sascha Drömer

      Danke, wenn ich auf den link klicke sagt mir amazon das ich diesen Artikel am 31. Mai 2015 gekauft habe. Seit dem läuft sie einwandfrei ohne Problem.

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